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Kilwi-Krimi am Sonntagmorgen

Es ist Kilwi-Wochenende in Oberharmersbach. Das größte, und für manche auch das schönste Fest des Jahres lockt allerhand Menschen ins Dorf. Gestern Abend fand das Highlight der diesjährigen Kilwi statt, ein Konzert der „Schürzenjäger“. Viele junge Menschen in Dirndl und Lederhosen hat es in das große Festzelt auf dem Kilwiplatz gezogen.

Heute früh, Kilwi-Sonntag, 7 Uhr, radel ich nun auf dem „staubfreien Weg“ heimwärts ins Jägerstüble. Keine Menschenseele ist um diese Zeit auf diesem Fußgänger- und Radweg unterwegs. Er führt schnurstracks gerade an der Bahnlinie entlang. Schon von weitem konnte ich erkennen, dass da was großes am Wegesrand vor mir liegt. Was das wohl ist?

Ich fahre langsam näher an das Etwas ran und kann erkennen, dass da zwei angewinkelte nackte Beine hervor schauen. Das Etwas rührt sich aber nicht!

Ich fahre noch näher ran. Mein Herz klopft wie wild. Da liegt ein Mensch! Es ist ein junges Mädel. Vielleicht um die 20 Jahre alt?!

Sie trägt ein Dirndl und eine Jeansjacke, hat die Augen geöffnet aber seltsam verdreht, die Beine sind angewinkelt, die Feinstrumpfhose am rechten Bein zerrissen. Die linke Hand zum Kopf liegt angewinkelt neben ihr und zeigt Schürfwunden. Am linken Ohr verkrustetes Blut und Abschürfungen. Sie atmet!

Ich beuge mich über sie….Hallo? Mädel! Alles Gut bei Dir?

Keine Reaktion! Ich fasse sanft an ihre Schulter. Hey Du? Geht es Dir gut? Soll ich den Notarzt rufen?

Sie verdreht ihre Augen noch mehr und macht einen Schnaufer. Ich schüttel sie leicht an der Schulter.

Komm, versuche aufzustehen! Du liegst hier am Weg!

Nun bewegt sie sich und setzt sich ganz langsam auf.

Geht es Dir gut? – Ja!

Soll ich einen Arzt rufen? – Nein!

Nun wird es klar was ich schon vermutet habe – sie ist sturzbetrunken!

Weißt Du wo Du bist? Ja!

Hast Du ein Handy? Sie murmelt unverständliche Worte, nicht auf Deutsch, war wohl eher holländisch.

Alles klar bei Dir? Ja!

Ich bleibe neben ihr stehen und beobachte sie. Sie versucht sich zusammen zu raufen und als sie ihre Situation erkennt, scheint es ihr peinlich zu sein.

Dann fahre ich jetzt weiter – o.k.? Ja!

Von der Orstmitte her kommt das „Bähnle“ angefahren.

Das Mädel versucht auf zu stehen. Als sie senkrecht steht, kippt sie wieder um. Das Bähnle macht langsam. Ich gehe nochmal zu ihr hin und helfe ihr beim Aufstehen. Sie stützt sich an der kleinen Böschung oberhalb des Weges ab, sortiert ihr Gleichgewicht und schwankt dann los in Richtung Obertal.

Ich gehe zu meinem Rad.

Ein Letztes „Alles gut bei Dir? Ich kann Dich wirklich alleine lassen?“ – „Ja, alles chut!“

Sie scheint stabil zu sein.

Während ich aufs Rad steige und weiter fahre, schaue ich noch zweimal zu ihr zurück. Sie marschiert aufrecht den Weg entlang.

Mein Herz beruhigt sich. Im ersten Moment dachte ich wirklich, da liegt ne Leiche. Puuuhhh…..!!!!

Hätte ich noch etwas länger bei ihr bleiben sollen?

Die ganze Zeit muss ich denken, wie kann ein so junges hübsches Mädchen so viel Alkohol trinken, dass sie letztendlich, bei herbstlicher Kühle und leicht bekleidet, am Wegesrand liegt und schläft?

Dieser Vorfall hat sich heute in meine Gedanken eingeprägt. Ich glaube, der Alkoholkonsum vieler Menschen bei uns ist schon ein sehr großes Problem. Gerade als Wirtin erlebe ich es hier so oft, dass die Menschen einfach zu viel trinken. Bier, Wein, Schnaps! Da geht es nicht mehr um Genuss oder „sich Gutes tun“. Nein, da geht es oft genug um die reine Sucht!

Dabei kann man auch ohne oder mit wenig Alkohol das Leben, die Abende, die Partys genießen und lachen und tanzen! Ich weiß es!

Gras ist die Heilung einer Nation, Alkohol ist die Zerstörung.

Bob Marley

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