Gedanken zum Fremdenverkehrsdefizit von Oberharmesbach
14. Juni 2011
Kündigung der Geschäftsführerin des Tourismus e.V. Oberharmersbach
19. Juli 2011
Alle anzeigen

Vespertaler


Ich habe vor ein paar Tagen einen Tweet von @rhoenschaf (ein engagierter, twitternder Hotelier im Naturpark Rhoen) gelesen: „Das Leben als Hotelier ist kein Zuckerschlecken – und Rabatt eine Stadt in Marokko…“

Dieser Spruch geht mir seit den Pfingstferien nicht mehr aus dem Kopf. In Oberharmersbach erhalten alle Familien mit Kinder, die hier ihren Urlaub verbringen, einen „Vespertaler“ im Wert von 5,00 Euro. Einlösen können sie den in allen gastronomischen Betrieben von Oberharmersbach und zahlen damit 5,00 Euro weniger von ihrer Rechnung. 2,50 Euro davon muss der Gastronom beisteuern, 2,50 Euro bekommt der Wirt von der Gemeinde am Ende des Jahres, nach Abgabe der gesammelten „Vespertaler“, zurück.
Letzte Woche waren nun zur besten Mittagszeit drei Paare mit je drei kleinen Kindern bei uns zum Mittagessen. Jede Familie hatte einen Verzehrdurchschnitt von 25,00 Euro!!! und beim bezahlen einen „Vespertaler“ eingelöst. Das sind 20 % Rabatt pro Familie! 20 Prozent, das muss man erst mal verdauen. Das heißt, von uns hat jede Familie 10 Prozent erhalten und von der Gemeinde (das sind ja auch wir) nochmal 10 Prozent, und danach ging es zurück in die Ferienwohnung auf dem Bauernhof, die wahrscheinlich auch subventioniert wurde und der Gastwirt hat einen Haufen Abfall auf dem Tisch, versaute Tische und Bänke und Spielsachen aus der Spielecke auf zu räumen.
Nicht falsch verstehen: wir lieben Kinder! Und es gibt, wie überall, Solche und Solche. Und vor dieser „Vespertaler“-Aktion hat jedes Kind von uns ein Eis am Stil geschenkt bekommen. Aber mit dieser Rabatt-Tour zieht man hier nur noch mehr Billig-Touristen an. Und von denen haben wir wahrlich genug durch den Werbe-Busfahrten-Tourismus der großen Häuser im Tal.
Was ist mit den Paaren die ohne Kinder sind? Die hier einkehren, gut essen und trinken und auch außerhalb der Saison unser Dorf genießen!?
Uns ärgert das auf jeden Fall maßlos und wir überlegen, ob wir aus diesem „Vespertaler“-Vertrag aussteigen, denn wie das Rhoenschaf schon sagte: „Rabat(t) ist eine Stadt in Marokko..“ und hat in einem gut geführten Hotelbetreib nichts verloren.

4 Kommentare

  1. Nicht nur, dass der unfreiwillige Rabatt den Umsatz schmälert, wenn`s dumm läuft, wie in Deinem Beispiel, werden auch 15 Sitzplätze blockiert und u.U. müssen andere Gäste abgewiesen werden, die vielleicht viel mehr verzehrt hätten, und das auch noch ohne Rabatt!

  2. Sonja sagt:

    Das ist Richtig, Rainer! Und gerade bei uns, wir müssen ja oft Gäste wegschicken, weil in der kleinen Gaststube kein Platz ist!

  3. rhönschaf sagt:

    Wenn Hotelieres und Touristiker Rabatt geben, dann haben sie meiner Meinung nach nicht genügend Hirnschmalz bezüglich Alternativen verbraten. Rabatt ist wirklich die allerallerletzte Massnahme. Die Verantwortlichen im Deutschland-Toourismus müssen endlich begreifen, das Qualität kostet. Keine Qualität kostet Kunden…

  4. Sonja sagt:

    Danke rhoenschaf! Du sprichst mir aus dem Herzen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*