Silvester im Jägerstüble
Silvester 2017
31. Dezember 2017
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Zeit für Veränderungen

Familie Wurth

David, Martin und Sonja Wurth vor 15 Jahren.

Alles hat seine Zeit!

Seit 2 Tagen ist es nun besiegelt: das Jägerstüble schließt zum 11. Februar 2018 seine Pforten und wird in Zukunft nur noch als Wohnhaus genutzt.

Bei einigen Stammgästen hat es sich in letzter Zeit schon herum gesprochen und im Tal kursierten wilde Gerüchte, nun machen wir es öffentlich! Bald 21 Jahre haben wir das Gasthaus mit Pension betrieben. Jetzt ziehen wir aus mehreren  Gründen den Schlussstrich:

Es geht für uns nicht mehr weiter so! Wir haben keine Kräfte mehr für das Gasthaus! Die meiste Zeit der vergangenen Saison standen Martin und ich alleine in Küche und im Service. Immer weniger Leute wollen in der Gastronomie arbeiten und wenn doch, wollen sie Sonn- und Feiertags frei und Abends auch. Erst Silvester war wieder so ein Tag! Wer will an Silvester arbeiten? So stand ich von halb sieben Uhr morgens bis am Neujahrstag um 2 Uhr nachts ununterbrochen in der Gaststube. Man steckt das mit Mitte 50 nicht mehr so einfach weg. Wir waren mehrere Tage gesundheitlich arg angeschlagen und hatten keine Zeit uns zu erholen. So ist ein Betrieb auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten.

Wir haben keinen Nachfolger, der das nicht ganz leichte Wirteleben auf sich nehmen will. Lange Arbeitszeiten, wenig freie Tage und Urlaub, alles wichtige Punkte, die unser Sohn von klein auf mitbekommen hat, und die er sich nicht antun will. Für uns absolut verständlich, zumal er einen sehr guten Arbeitsplatz in seinem Beruf als IT-Fachinformatiker hat.

Früher war unser Stammtisch der Mittelpunkt unseres gastronomischen Geschäfts. Der Sonntagsfrühschoppen, die geselligen Abende am großen Tisch bei der Theke und kleine Familienfeiern halfen uns gut über den touristisch sehr ruhigen Winter in Oberharmersbach zu kommen. Das hat sich verändert. Die Feiern finden oft in Vereinsheimen, ehemaligen gastronomischen Häusern statt, die man günstig mieten und selbst bewirten kann. Die alten Stammgäste leben nicht mehr und die jungen Leute gehen nicht mehr zum Frühschoppen ins Wirtshaus. Das Ausgehverhalten hat sich geändert und unsere tollen Veranstaltungen zum großen Jubiläumsjahr 2017 wurden gerade von den Nachbarn und Einheimischen nur dürftig angenommen.

Heute reicht ein Schnitzel und Bratkartoffel und ein guter Salat nicht mehr: vegetarisch, vegan, glutenfreie Gerichte und vieles mehr muss man bieten, was gerade für so kleine Betriebe wie der unsere schwer ist. Und schlägt man mit den Preisen auf, wird man beschimpft, ob man nun mit Gewalt reich werden will!

Der Tourismus im Ort ist stark rückläufig und die Regularien des Bundes werden immer aufwändiger – für jeden gastronomischen Betrieb.

Trotz allem lief unser Jägerstüble immer sehr gut. Wir haben eines der umsatzstärksten Jahre hinter uns. Klasse! Bis das Finanzamt kommt! Bis das nächste Gerät in der Küche kaputt geht! Bis das Haus die nächste Sanierung benötigt, damit man am Ball bleiben kann…..

Wir durften 20 Jahre unseren Traum leben. Eine wundervolle Zeit.Wir haben mit Herzblut gekocht und und serviert und das gelebt,was uns an den anderen Restaurants immer gefehlt hat.Wir wollten anders sein. Wir waren anders und wir haben es geliebt. Doch nun ist es an der Zeit einen neuen Traum zu leben, Zeit für uns selbst, die Familie und Freunde zu finden. Es wird uns sicher schwer fallen, das alles aufzugeben, die Türen zuschließen und unsere Ideen zu verwerfen. Doch als Menschen werden wir Euch erhalten bleiben. Meine Tätigkeiten in Sachen Social Media werde ich intensivieren und das Bauen toller Websites für kleine Betriebe ausbauen. Ideen habe ich viele!

Die letzten Wochen werden wir benötigen, um Abschied zu nehmen, uns an den Gedanken zu gewöhnen und ein neues Leben zu beginnen. Es war uns  wichtig, mit dieser Entscheidung so früh wie möglich an die Öffentlichkeit zu gehen, damit wir alle die Möglichkeit haben damit umzugehen, die letzten Wochen zu genießen und ein würdiges Ende zu finden. Gutscheine können noch bis zum 11. Februar eingelöst werden und wir laden hiermit für den gleichen Tag, den Fasentsonntag, zur großen Abschiedsparty ins „Jägi“ ein!

Wir vertrauen auf Euer Verständnis und vielleicht nach der ersten Welle der Bestürzung, auch auf Euer Wohlwollen, denn gerne werde ich weiterhin Oberharmersbacherin bleiben und den Ort mit all meinen Möglichkeiten unterstützen.

Gastgeber Familie Über uns

Diejenigen, die gehen, fühlen nicht den Schmerz des Abschieds. Der Zurückbleibende leidet.

 

12 Kommentare

  1. Hallo,
    mutiger Schritt, aber viele kennen dieses ausgebrannt sein gar nicht. Ich verstehe auch oft die ganzen Regularien nicht, die immer vielfältiger werden und ich habe öfters mit Gastronomen zu tun, die immer mehr selber machen oder machen müssen.
    Wünsche alles Gute für die Zukunft!
    Wanderfreund Markus

    • Sonja Wurth sagt:

      Danke Markus! Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen und vor dem Tag, wenn wir endgültig die Türen schließen graut es uns. Doch wir freuen uns auch auf das Neue und vor allem auf weniger Last auf den Schultern. Ich werde Deine tolle Wanderseite schoene-aussicht.de weiter verfolgen und vielleicht sieht man sich ja mal. Lieber Gruß aus dem Schwarzwald von Sonja

  2. Oh. Eine mutige Entscheidung und sicher eine richtige. Wenn es sich für euch gut und richtig anfühlt, dann ist es gut. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute für die Zukunft.

    • Sonja Wurth sagt:

      Danke, liebe Biggi! Ich werde Dich nie aus den Augen verlieren (Social-Media) und vielleicht sehen wir uns noch einmal im Leben?! Dein Buch „Wir alle sehen den selben Mond“ begleitet mich jedenfalls in Gedanken immer wieder. Bleib gesund! Sonja

  3. Karla Bischof sagt:

    Gute Entscheidung!!!
    Wenn auch schade für uns.
    DOCH ALLES hat zwei Seiten. Wir Nordlichter kennen das Lokal noch,cals es “ Flintenwilli“ hieß und wir jung und trinkfreudig waren. Lebten und arbeiteten in Zell und am WE, Ja da ging’s rund, nicht immer
    Nun kommen wir ein Mal im Jahr runter, um alte Freunde zu besuchen, zu wandern und….gut zu essen. Es war bei Euch mehr als das, doch ich erlebte, nein, spürte, letztes Mal im Herbst auch diese Last von Genügen Wollen und müssen. Dazu die Ansprüche mancher Gäscht, die zu allem Übel noch unerzogene Kinder hatten.In einem so kleinen Haus ist Gastronomie besonders schwer zu wuppen ohne Einbußen in Gesundheit, Partnerschaft und Freundeskreis hinnehmen zu müssen.
    Euch alles erdenklich Gute, daß Ihr bald die nötige RUHE in Euch finden mögt, die man braucht, um NEUES in den Blick zu nehmen.

  4. Steinfeltz sagt:

    Hallo Sonja
    Haben Eure Gaststätte durch Brigitte und Manfred R. kennen gelernt. Uns hat es immer sehr gut bei euch gefallen, es hat immer alles gestimmt. Wie Du ja weisst waren wir auch selbständig und hatten einen Sohn der alles übernehmen sollte. Aber bei und kam auch die Entscheidung. Heute sind wir froh dass alles so gekommen ist. Uns geht es gut und von allem Ballast befreit. Deshalb wünschen wir Dir und Deiner Familie Das Allerbeste.

    Ulrike und Günter ST. Alles wird gut. !!

    • Sonja Wurth sagt:

      Danke Euch und alles Liebe für Euch beide! Ich denke immer an Dich, wenn ich feine Leberwurst zum Frühstück esse 🙂
      Es grüßt Euch ganz herzlich
      Sonja

  5. Andorf sagt:

    Liebe Sonja, ich nicht, was ich sagen soll. Es ist traurig. Aber Ihr habt Euch die Entscheidung nicht leicht gemacht. Das ist gewiss. Ich wünsche Euch eine glückliche Zukunft mit weniger Stress. Gastronomie ist ein schwieriges Geschäft, das weiss ich. Macht’s gut und lasst mal wieder etwas hören. Franz-Josef

    • Sonja Wurth sagt:

      Danke, lieber Franz-Josef!
      Wir werden uns sicher wieder sehen und ich melde mich bei Dir, wenn wir alles erledigt haben!
      Lieber Gruß Sonja

  6. Jürgen und Ilse Speck sagt:

    Liebe Sonja, lieber Martin! „Alles hat seine Zeit“…, das Wort aus dem Buch der Prediger in der Bibel fiel mir ein, als ich von Eurer Entscheidung las. Und gewiss ist Euch dieses nicht leicht gefallen; die angegebenen Gründe sind für mich aber nachvollziehbar. Ich denke…wenn, dann ist das jetzt der richtige Zeitpunkt, um noch einmal -wie oder was auch immer- etwas Neues anzufangen. Ilse und ich haben uns, wenn wir -meistens ja mit Carsten und… bei Euch waren, sehr wohl gefühlt und das Essen war immer hervorragend wohlschmeckend und…ausreichend!!! Seit Carsten nicht mehr Euer Nachbar war, kamen wir zwar weniger; doch umso wohler fühlten wir uns. Euch alles Gute und Gottes Segen!
    Ilse und Jürgen aus Ludwigshafen

    • Sonja Wurth sagt:

      Danke, lieber Jürgen und ganz liebe Grüße an Euch!
      Wir werden uns sicher sehen, wenn Ihr mal wieder zu Besuch in den Waldhäuser seid.

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